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Außerdem ist die Innervationsdauer und -Stärke bei
Tiefsprüngen von der Größe des Kniegelenk- und
Fußgelenkwinkels abhängig und variiert je nach beteiligter
Muskelgruppe.
Hilfreich erweisen sich zu diesem Problem die Untersuchungen von BOSCO u.a.
1982 (zit. nach KOMI 1985, S. 260), die den mechanischen Wirkungsgrad reaktiver
und nicht-reaktiver Sprünge in Abhängigkeit vom Kniewinkel
untersuchten. Sie berechneten für nicht-reaktive Sprünge (2s dauernde
verharrende Phase vor der konzentrischen Phase) einen Wirkungsgrad von 19,7%,
für reaktive Sprünge mit kleiner Winkelamplitude 38,5% und für
reaktive Sprünge mit großer Winkelamplitude 28%.
Diese Erkenntnisse müssen aber noch verfeinert werden, damit eine
genauere Voraussage möglich ist, bei welcher Winkelamplitude und welcher
Ausgangsstellung im Kniegelenk das effektivste Sprungverhalten möglich
ist.
Probanden in den Tiefsprung-Untersuchungen von GOLLHOFER/SCHMIDTBLEICHER
1982 (zit. nach SCHMIDTBLEICHER 1984, S. 170) erzielten
Kraft-Zeit-Verlaufskurven zwischen 200 und 400 ms bei einer Kniegelenksamplitude
von 90° für den M. rectus femoris und den M. gastrocnemius.
Die Beobachtung, daß die Reflexaktivität des M.gastrocnemius
bei einer Absprunghöhe von 50 cm und die des M. rectus femoris bei einer
Höhe von 110 cm maximal ausfiel, untermauert die These von dem
unterschiedlichen Innervationsverhalten beteiligter Muskelgruppen. Für die
theoretische Erklärung des plyometrischen Krafttrainings besteht bei der
Vielzahl von einflußnehmenden Parametern (Absprunghöhe,
Trainingszustand, beteiligte Muskelgruppen, Absprungwinkel in Hüfte, Knie
und Fußgelenk, Arbeitsamplitude in den beteiligten Gelenken) noch
großer Bedarf an weiterer Forschung.
3.0 Trainingsprinzipien des plyometrischen Trainings am Beispiel
des
Tiefsprungtrainings
3.1 Voraussetzungen
Für das reaktive Krafttraining ergeben sich einige Konsequenzen,
sowohl was den langfristigen Trainingsprozeß angeht, als auch für die
einzelne Trainingseinheit.
Die größte Gefahr des plyometrischen Trainings liegt sicherlich
in dem Problem der Amortisation auftretender Beharrungskräfte. Bei einem
Untrainierten, der einen Tiefsprung aus
1 m Höhe ausführt, sind die nötigen Bremskräfte in der
exzentrischen Phase von der Sprungmuskulatur allein nicht aufzubringen. Ein
Großteil dieser Kräfte muß somit von Bestandteilen des passiven
Bewegungsapparates aufgefangen werden, was zu Schädigungen insbesondere der
Gelenkstrukturen führen kann.
WEINECK (1987) schließt deshalb auch: “Es [das plyometrische
Training] setzt eine gut entwickelte Kraft und einen entsprechend vorbereiteten
aktiven und passiven Bewegungsapparat voraus. Es ist deshalb nicht für
das Kinder- und Jugendtraining bzw. das Anfängertraining geeignet.”
Leider wird an dieser Stelle auf eine genauere Untersuchung verzichtet. Der
sehr pauschale Hinweis auf den Verzicht auf Reaktivkraftschulung im Kinder- und
Jugendtraining wird nicht durch eine Angabe des erforderlichen Trainingszustands
unterstützt.
Allein die Fähigkeiten des passiven und des aktiven Bewegungsapparates
sind entscheidend für die Verträglichkeit und damit die Sinnhaftigkeit
eines solchen Trainings.
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