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Als Reflex wird in der Physiologie “die auf einen überschwelligen
Reiz folgende unwillkürliche motorische Reizantwort” verstanden.
Der Verlauf eines Reflexes wird durch den Reflexbogen bezeichnet. Ein Rezeptor
wirkt über afferente Nervenbahnen exzitatorisch (erregend) auf die entsprechenden
Motoneurone im Zentralen Nervensystem (ZNS). Diese wiederum innervieren über
efferente Bahnen die Effektoren (Skelettmuskulatur).
Der monosynaptische oder auch myotatische Reflex ist der einfachste aller
spinalen Reflexe. Die Rezeptoren des gedehnten Muskels melden über
afferente Nervenfasern (Ia- bzw. IIa Bahnen) die Änderung an homonyme
Motoneurone, die dann wiederum über ihre Axone (efferente Bahnen) die
Skelettmuskulatur innervieren.
Da die Rezeptoren im gleichen Organ (Muskel) wie die Effektoren liegen,
spricht man auch vom Muskeleigenreflex. Im Prinzip gilt: je stärker der
Reiz, desto stärker der Reflex.
Der polysynaptische Reflex ist von entscheidender Bedeutung für die
sportliche Bewegung. Hier bestehen neben dem Reflexbogen des monosynaptischen
Reflexes noch Verbindungen zu einem Pool von spinalen Interneuronen. Diese Interneurone
haben exzitatorische (erregende) Wirkung auf synergistische Motoneurone und
inhibitorische (hemmende) Wirkung auf Motoneurone, die die Antagonisten versorgen
(“reziproke Hemmung”).”
Der polysynaptische Reflex ist demnach der entscheidende Mechanismus, der
den Tiefsprung zu einer reaktiven Bewegung werden läßt.
2.2.3 Funktion der Muskelspindel und der Golgi-Sehnenorgane
Die primären Rezeptoren, die eine Änderung der Muskellänge
registrieren, sind die Muskelspindeln. Sie reagieren sowohl auf den Betrag, als
auch auf die Frequenz einer Längenänderung. Die Golgi-Sehnenorgane
melden Spannungsveränderungen der Sehne als Folge starker Dehnungen oder
Kontraktionen der jeweiligen Muskulatur.
Als Schutzinstanz wirken sie hemmend auf eine Kontraktion, wenn sich der
Muskeltonus dadurch zu stark erhöhen würde. Eine Kontraktion im
plyometrischen Training muß der exzentrischen Phase demnach so rasch
folgen, daß der hemmende Einfluß der Golgi-Sehnenorgane nicht
eintritt.
Ihre Effekte bewirken beide Rezeptoren über den Reflexbogen. Vermutlich
haben die Muskelspindeln für das plyometrische Training eine entscheidendere
Bedeutung.
Entscheidend ist das Ausmaß der Afferenz der Muskelspindeln. Diese
intermuskulären Sensoren geben in Form von Nervenimpulsen ständig
Informationen über den Dehnungszustand des Muskels an die spinalen
Motoneurone weiter. Bleibt die Intensität dieser Nervenimpulse unter einer
bestimmten Reizschwelle (z.B. beim sanften Stretching) werden die Motoneurone
nicht aktiv. Im Falle einer Überschreitung (z.B. bei plözlicher, d.h.
schlagartiger Dehnung) jedoch wird der betreffende Muskel innerviert, sich zu
kontrahieren, um einer Schädigung durch zu starke Dehnung vorzubeugen.
Diese Innervierung und somit die Kontraktion fällt um so stärker aus,
je mehr der Muskel gedehnt wird.
Außer dem Ausmaß der Dehnung des Muskels ist noch die Zeit, in
der diese Dehnung auftritt, von entscheidender Bedeutung. Es ist zu vermuten,
daß sich die Zeit, die der Muskel benötigt, um von der exzentrischen
Phase einer plyometrischen Bewegung in die konzentrische “umzuschalten”,
mit der Verbesserung des Trainingszustandes reduziert. Dies ist zum einen in
der Verkürzung der Vorinnervationsdauer (bessere Bewegungsantizipation
und -Ausführung = Technik) bei trainierten Sportlern begründet,
zum anderen in deren stärkerer und schnellerer Innervationsfähigkeit,
die von SCHMIDTBLEICHER 1984 durch Elektromyographieunter-suchungen
nachgewiesen wurde.
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